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Technik & Energy Pilot8 Min. Lesezeit

Glas-Folie, Glas-Glas oder Back Contact – welche Module für 25 Jahre?

„Module sind doch alle gleich.“ Bis vor ein paar Jahren stimmte das fast. Heute gibt es drei Klassen – und sie unterscheiden sich in genau den Punkten, die bei deutschem Wetter über deine Rate entscheiden: diffuses Licht, Winter, Schatten und Haltbarkeit.

Von den Leuten, die montieren · SunSpace Solar, Bremen

Vorweg, damit die Reihenfolge stimmt: Der Speicher ist wichtiger als die Module – warum, steht im Speicher-Check. Aber wenn die Module falsch gewählt sind, hat der beste Speicher nichts zu speichern. Deshalb hier die drei Klassen, woran du sie erkennst und welche zu welchem Modell passt.

Klasse 1: Glas-Folie – der bewährte Standard

Vorne Glas, hinten eine Kunststofffolie. Das ist das Modul, das seit Jahrzehnten auf den meisten deutschen Dächern liegt – leicht, günstig, bewährt, mit 25 Jahren Leistungsgarantie bei guten Herstellern. Es funktioniert, und es ist für viele Dächer die richtige Wahl. Sein Unterschied zu den anderen beiden Klassen zeigt sich nicht am ersten Tag, sondern über die Jahre: Die Folie altert schneller als Glas, Feuchtigkeit kann eindringen, und die Leistung sinkt etwas zügiger – typischerweise auf rund 82 Prozent nach 25 Jahren. Wie viel das ausmacht, rechnen wir weiter unten durch.

Klasse 2: Glas-Glas – gebaut für 30 Jahre

Vorne Glas, hinten Glas, die Zellen dazwischen eingeschlossen. Keine Folie, die altern kann – deshalb gibt es hier bis zu 30 Jahre Produkt- und Leistungsgarantie mit deutlich flacherem Leistungsabfall. Glas-Glas ist bifazial: Die Rückseite nimmt das Licht auf, das vom Dach zurückgeworfen wird. Und es hält: Hagel, Sturm, Schneelast, Brandklasse A.

Aber schau dir ein normales Glas-Glas-Modul genau an: die dünnen silbernen Linien auf der Vorderseite. Das sind die Stromleiter. Sie liegen vorne auf der Zelle – da, wo eigentlich Licht hin soll. Und sie haben einen zweiten Nachteil, der bei unserem Wetter richtig wehtut.

Das Schattenproblem – und warum es im Dezember entscheidet

Ein Schornstein, eine Gaube, ein Baum, etwas Schnee am Modulrand. Bei einem herkömmlichen Modul steigt im verschatteten Teil der elektrische Widerstand, und damit die Zelle nicht überhitzt, schaltet eine Bypass-Diode das ganze Segment ab. Ein Drittel des Moduls ist weg – wegen eines Schattens von der Größe deiner Hand.

Im Sommer merkst du das kaum. An einem bedeckten Dezembertag mit einer Sonnenstunde ist es der Unterschied zwischen Speicher voll und Speicher leer – in Flensburg wie in Freiburg.

Klasse 3: Glas-Glas Back Contact – die Leiter wandern nach hinten

Bei Back-Contact-Modulen – manchmal auch ABC, All Back Contact – liegen alle Stromleiter auf der Rückseite der Zelle. Die Vorderseite ist komplett frei. Das bringt drei Dinge:

  • Mehr aktive Fläche. Kein Millimeter Zelle wird von Metall verdeckt – mehr Licht, mehr Leistung aus demselben Dach: 485 bis 495 Watt pro Modul statt 440 bis 470.
  • Anti-Shading. Die Zelle ist so aufgebaut, dass der Strom um einen verschatteten Bereich herumfließt, statt dass eine Diode das ganze Segment abschaltet. Der unverschattete Teil arbeitet weiter. Bei unseren Wintern, Schornsteinen und unserem Schnee ist das kein Komfortmerkmal – das ist Ertrag.
  • Temperaturstabilität. Back-Contact-Zellen verlieren bei Hitze weniger Leistung – für den Sommer, wenn der Speicher voll ist und du einspeist.

Der Leistungsabfall – warum aus 8 Prozentpunkten über die Jahre 11 werden

Jedes Modul verliert Leistung, Jahr für Jahr. Die Frage ist, wie schnell. Bei Glas-Folie-Modulen garantiert der Hersteller typischerweise noch 82 Prozent nach 25 Jahren – das sind rund 0,7 Prozentpunkte Verlust pro Jahr. Bei Glas-Glas-Back-Contact-Modulen sind es rund 90 Prozent nach 30 Jahren, also etwa 0,3 Punkte pro Jahr: weniger als die Hälfte. Und weil der Abfall nicht stehen bleibt, geht die Schere immer weiter auf. Nach 25 Jahren liegen die beiden rund 10 Punkte auseinander – 82 gegen 92 Prozent. Nach 30 Jahren sind es 11: Das Glas-Folie-Modul ist bei etwa 79 Prozent angekommen, das Back-Contact-Modul steht noch bei 90. Rechnen wir das an einer 10-Kilowatt-Peak-Anlage durch, die im ersten Jahr rund 9.500 Kilowattstunden liefert.

  • Jahr 25: Das Glas-Folie-Modul liefert noch 7.790 Kilowattstunden, das Back-Contact-Modul 8.700. Unterschied: rund 900 Kilowattstunden in einem Jahr – 76 pro Monat, jeden Monat.
  • Jahr 30: 7.470 gegen 8.550 Kilowattstunden. Die Schere geht weiter auf, während die Anlage längst abbezahlt ist und eigentlich nur noch Geld bringen soll.
  • Über 30 Jahre summiert: rund 252.000 Kilowattstunden gegen rund 269.000. Das Glas-Folie-Modul liefert 17.500 Kilowattstunden weniger – aus demselben Dach, mit derselben Sonne.
17.500 Kilowattstunden sind fast zwei volle Jahreserträge deiner Anlage. Oder knapp 100.000 Kilometer mit dem E-Auto. Oder 17.500 Waschgänge – verloren, ohne dass du es an einem einzigen Tag bemerkst.

Und in Euro? Rechnen wir vorsichtig: 45 Prozent des Stroms verbrauchst du selbst und sparst damit den Netzpreis von heute 40 Cent, 55 Prozent speist du ein und bekommst rund 8 Cent. Dann sind die 17.500 verlorenen Kilowattstunden rund 3.900 Euro – beim heutigen Strompreis. Steigt der Strompreis nur um zwei Prozent im Jahr, sind es rund 5.400 Euro. Das ist der Betrag, den ein flacherer Leistungsabfall über die Laufzeit wert ist – und er steht auf keinem Datenblatt.

Wirkungsgrad – dieselbe Dachfläche, mehr Kilowatt

Der zweite Effekt kommt oben drauf. Weil die Vorderseite frei von Leitern ist, holt ein Back-Contact-Modul aus derselben Fläche mehr Leistung: rund 495 statt 465 Watt, ein Wirkungsgrad von etwa 24 statt 22 Prozent. Bei 22 Modulen auf dem Dach sind das 10,9 statt 10,2 Kilowatt Peak – rund 630 Kilowattstunden mehr pro Jahr, über 30 Jahre fast 19.000 Kilowattstunden. Und das ist noch vor dem Leistungsabfall gerechnet.

Weniger Abfall plus mehr Wirkungsgrad: über 30 Jahre liegen zwischen einem herkömmlichen und einem Back-Contact-Dach gleicher Größe rund 36.000 Kilowattstunden – fast vier Jahreserträge.

Deshalb ist die Wattzahl im Angebot die falsche Vergleichsgröße. Zwei Anlagen mit „10 kWp“ auf dem Papier können nach 30 Jahren um Zehntausende Kilowattstunden auseinanderliegen. Frag nicht, was die Anlage am ersten Tag leistet. Frag, was sie im Jahr 25 noch leistet – und wer das garantiert.

Die drei Klassen im Vergleich

  • Aufbau: Glas-Folie – Glas vorne, Folie hinten · Glas-Glas – Glas beidseitig, bifazial · Back Contact – Glas beidseitig, bifazial, Leiter auf der Rückseite
  • Leistung pro Modul: Glas-Folie – die unterste Klasse · Glas-Glas – 440 bis 470 W · Back Contact – 485 bis 495 W
  • Bei Teilverschattung: Glas-Folie – Segment schaltet ab · Glas-Glas – Segment schaltet ab · Back Contact – Strom fließt um den Schatten herum
  • Haltbarkeit: Glas-Folie – Folie altert · Glas-Glas – sehr hoch, Brandklasse A, Hagelklasse 3 · Back Contact – wie Glas-Glas, dazu temperaturstabiler
  • Garantierte Leistung: Glas-Folie – oft unter 80 % nach 25 Jahren · Glas-Glas – typischerweise um 82 % nach 25 Jahren, je nach Hersteller · Back Contact – rund 90 % nach 30 Jahren
  • Garantie: Glas-Folie – kurz · Glas-Glas – bis 30 Jahre Produkt und Leistung · Back Contact – 30 Jahre Produkt und Leistung, deutscher Garantiegeber
  • Wofür es steht: Glas-Folie – der bewährte Standard · Glas-Glas – Langlebigkeit und flacher Leistungsabfall · Back Contact – maximaler Ertrag über 30 Jahre, auch bei Schatten

Was der Unterschied über 30 Jahre bringt

Zieht man die Rechnung zusammen, steht zwischen einem Glas-Folie-Dach und einem Back-Contact-Dach gleicher Größe über 30 Jahre ein Unterschied von rund 36.000 Kilowattstunden: 17.500 aus dem flacheren Leistungsabfall, knapp 19.000 aus dem höheren Wirkungsgrad. Das sind fast vier Jahreserträge einer 10-Kilowatt-Peak-Anlage – bei derselben Sonne, auf demselben Dach. An einem teilweise verschatteten Dach kommt der Winter hinzu, in dem Anti-Shading darüber entscheidet, ob der Speicher überhaupt etwas zu speichern bekommt.

Wichtig dabei: Keine der drei Klassen ist falsch. Sie beantworten nur verschiedene Fragen. Glas-Folie beantwortet die Frage nach dem günstigsten Einstieg. Glas-Glas die nach der Haltbarkeit. Back Contact die nach dem maximalen Ertrag über die gesamte Laufzeit. Welche Frage für dich zählt, hängt an deinem Dach, deinem Schatten und daran, wie lange du mit der Anlage rechnest.

Drei Fragen an jeden Anbieter

  • Glas-Glas oder Glas-Folie?
  • Wie viele Jahre Produkt- und Leistungsgarantie – und wer gibt sie: ein deutsches Unternehmen oder eines am anderen Ende der Welt?
  • Was passiert bei Teilverschattung? Wenn die Antwort „Bypass-Diode“ ist, ist es kein Back Contact.

Was du jetzt tun kannst

Schau bei deinem nächsten Angebot nicht auf die Wattzahl, sondern auf die drei Fragen oben – und lass dir die Modulklassen für das Jahr 25 vorrechnen, nicht für das Jahr 1. Lies danach den Speicher-Check – denn das beste Modul bringt dir nichts, wenn der Speicher zu langsam ist, um zu speichern, was das Dach liefert. Wie beides bei dir zusammenpasst, klären wir in der Beratung online und bei der technischen Planung bei dir zuhause.

Module und Speicher, die zusammenpassen

Was dein Dach mit Back Contact bringt, rechnen wir dir in zehn Minuten vor.

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