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Technik & Energy Pilot9 Min. Lesezeit

Der Speicher-Check: Ladeleistung, Garantie, Notstrom – für deutsches Wetter

Über 500 Speichermodelle gibt es am Markt, fast täglich werden es mehr. Bei den Modulen erfüllen alle irgendeinen Standard – beim Speicher trennt sich die Spreu vom Weizen. Drei Kriterien reichen, um ein Datenblatt in zwei Minuten zu beurteilen. Hier sind sie, mit den Zahlen, die für deutsches Wetter und diffuses Licht gelten – nicht für Südspanien.

Von den Leuten, die montieren · SunSpace Solar, Bremen

Warum der Speicher wichtiger ist als alles andere

Speicher und Wechselrichter sind mit Abstand der teuerste Posten auf jedem Angebot – und der Posten, an dem günstige Anbieter sparen. Genau deshalb ist der Speicher die Komponente, die über dein Modell entscheidet: Mit dem falschen Speicher wird aus einem finanziellen Autarkiemodell auf dem Papier ein Amortisationsmodell in der Praxis – mit Reststromkosten, die du nicht eingeplant hattest.

Die gute Nachricht: Du musst keine 500 Datenblätter lesen. Drei Zahlen genügen.

Kriterium 1: Ladeleistung – wie schnell wird er voll?

Jedes Angebot nennt die Kapazität: 10 Kilowattstunden, 15, 20. Das ist die Frage, wie viel reinpasst. Die Frage, die in Deutschland zählt, ist eine andere: Wie schnell ist er voll? Das ist die Be- und Entladeleistung, angegeben in Kilowatt. Ein Speicher mit 10 Kilowattstunden Kapazität und 10 Kilowatt Ladeleistung ist in einer Stunde voll. Mit 5 Kilowatt braucht er zwei Stunden. Mit 3 Kilowatt mehr als drei.

Warum das entscheidet: Deutschland ist kein Land der prallen Sonne, sondern des diffusen Lichts – heller, bedeckter Himmel an den meisten Tagen des Jahres, kurze Fenster mit voller Einstrahlung dazwischen. Der Dezember hat in Hamburg 31 Sonnenstunden, eine am Tag; im Süden sind es nicht wesentlich mehr. Ein Speicher, der drei Stunden braucht, wird in solchen Fenstern nie voll, egal wie groß er ist. Ein schneller Speicher nutzt jede kurze Aufhellung und wird auch mit wenigen Sonnenstunden voll. Dasselbe gilt nachts: Beim dynamischen Tarif ist das Fenster, in dem Strom an der Börse bei 0 Cent liegt, oft nur ein bis zwei Stunden lang. Ein langsamer Speicher lädt dann noch, wenn der Strom längst wieder Geld kostet. Ein schneller ist voll, bevor das Fenster zugeht – und im Sommer mittags so schnell voll, dass mehr Überschuss eingespeist wird.

Anforderung für deutsches Wetter: mindestens 6 Kilowatt Be- und Entladeleistung je 10 Kilowattstunden Kapazität, besser 10 – also voll in höchstens anderthalb Stunden, ideal in einer. Und abends genug Leistung, um die Spitze deines Hauses allein zu tragen.

So liest du es im Datenblatt: Such die Zeile „Ladeleistung“, „Entladeleistung“ oder „Nennleistung“ in Kilowatt und teile die Kapazität durch diese Zahl. Das Ergebnis ist die Zeit bis voll. Steht dort keine Leistung, sondern nur Amperestunden und eine Spannung, ist das schon die erste Warnung.

Was Ladeleistung in Euro heißt – an drei Stellen des Tages

Ladeleistung klingt nach Technik. Sie ist Geld, und zwar an drei Stellen – abends, nachts und mittags. Rechnen wir es an einem 10-Kilowattstunden-Speicher durch, einmal mit 10 Kilowatt, einmal mit den 5 Kilowatt, die viele günstige Modelle haben.

Abends: Der Speicher ist voll – und du kaufst trotzdem Netzstrom

Das ist der Fall, den fast niemand auf dem Schirm hat, weil er so unlogisch klingt. 19 Uhr, der Speicher ist voll. Herd und Backofen laufen, dazu Spülmaschine und Wärmepumpe: Dein Haus zieht in diesem Moment 7 Kilowatt. Ein Speicher mit 5 Kilowatt Entladeleistung gibt aber nur 5 Kilowatt ab – mehr kann er physikalisch nicht. Die fehlenden 2 Kilowatt kommen aus dem Netz. Zum Abendpreis. Trotz vollem Speicher.

  • 2 Kilowatt Netzbezug über die anderthalb Stunden Abendspitze sind 3 Kilowattstunden am Tag – bei 40 Cent 1,20 Euro.
  • An 250 Tagen im Jahr mit solchen Spitzen sind das rund 750 Kilowattstunden und 300 Euro im Jahr. Ein voller Monatsabschlag – für Strom, den dein Speicher eigentlich hätte liefern sollen.
  • Über 25 Jahre: rund 7.500 Euro beim heutigen Strompreis. Mit Wallbox oder Wärmepumpe, die die Spitze höher treiben, schnell das Doppelte.
Ein voller Speicher, der zu langsam entlädt, ist wie ein voller Tank mit einem zu dünnen Schlauch. Der Motor bekommt nicht, was er braucht – und du tankst nebenher an der teuersten Säule nach.

Nachts: Das günstige Fenster ist zu, bevor er voll ist

Im Winter lädt der Speicher nachts nach, wenn der Strom an der Börse bei 0 Cent liegt und du nur Netzentgelte und Abgaben zahlst. Dieses Fenster ist oft nur eine Stunde lang. Der 10-Kilowatt-Speicher ist in dieser Stunde voll. Der 5-Kilowatt-Speicher hat 5 Kilowattstunden geladen – die anderen 5 holt er sich danach, zum normalen Nachtpreis. Bei rund 30 Cent Unterschied sind das 1,50 Euro pro Nacht, über einen Winter mit 120 solcher Nächte 180 Euro – über 25 Winter rund 4.500 Euro.

Mittags: Die Sonne liefert schneller, als er annehmen kann

An einem hellen Tag liefert eine 10-Kilowatt-Peak-Anlage mittags 6, 7, 8 Kilowatt. Das Haus braucht davon vielleicht eines. Ein 10-Kilowatt-Speicher nimmt den Rest. Ein 5-Kilowatt-Speicher nimmt 5 – alles darüber geht für rund 8 Cent ins Netz und wird abends für 40 Cent zurückgekauft. Jede Kilowattstunde, die am Speicher vorbeiläuft, kostet dich 32 Cent Differenz. Im Sommer sind das täglich mehrere Kilowattstunden, im Winter genau die wenigen, die du am dringendsten bräuchtest.

Abend, Nacht und Mittag zusammen: Ein zu langsamer Speicher kostet über 25 Jahre schnell 10.000 bis 15.000 Euro – bei derselben Kapazität auf dem Papier. Das ist der Betrag, um den sich ein finanzielles Autarkiemodell unbemerkt in ein Amortisationsmodell mit Reststromkosten verwandelt.

Deshalb steht die Ladeleistung bei uns vor allem anderen. Kapazität kannst du nachrüsten. Zu wenig Leistung kannst du nur austauschen.

Kriterium 2: Garantieumfang – wie viele Jahre, und wer steht dafür?

Bei 25 Jahren Laufzeit brauchst du einen Speicher, der so lange leistungsfähig bleibt. Zehn Jahre Garantie heißen: Du tauschst ihn vermutlich, während die Rate noch 15 Jahre läuft – auf eigene Rechnung. Deshalb gilt: mindestens 20 Jahre, gern mehr, bei einigen wenigen Herstellern gibt es 25.

Und die zweite Hälfte der Frage ist mindestens so wichtig: Wer gibt die Garantie? Niemand möchte nach 15 Jahren bei einem Unternehmen in einem Drittstaat anklopfen und auf Gewährleistung hoffen. Ein europäischer oder deutscher Garantiegeber mit Sitz, den man erreichen kann, ist Teil der Garantie – nicht Beiwerk.

Anforderung: mindestens 20 Jahre Garantie, europäischer oder deutscher Garantiegeber. Und dazu ein Anbieter, der im Garantiefall selbst tauscht und montiert – statt dir ein Ersatzteil per Paket zu schicken.

Kriterium 3: Notstrom – was passiert, wenn das Netz ausfällt?

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden. Notstrom heißt: Ein abgegrenzter Stromkreis läuft weiter – Kühlschrank, ein paar Steckdosen. Ersatzstrom heißt: Das ganze Haus läuft weiter, jede Steckdose, jede Lampe, auf allen drei Phasen. Manche Speicher haben die Notstromfunktion eingebaut, manche lassen sich zum Ersatzstrom erweitern, manche können weder das eine noch das andere.

Anforderung: Backup-Betrieb auf allen drei Phasen, Umschaltung in unter 20 Millisekunden – so schnell, dass Computer und Router es nicht merken.

Woran die meisten günstigen Speicher scheitern

Wir haben die Datenblätter der gängigen Speicher am deutschen Markt nach genau diesen drei Kriterien ausgewertet und mit den Ergebnissen aus tausenden gebauten Anlagen abgeglichen. Das Muster ist immer dasselbe: Die günstigen Speicher aus den Online-Angeboten haben viel Kapazität und wenig Ladeleistung – typisch 5 Kilowatt auf 10 Kilowattstunden, also zwei Stunden bis voll –, dazu 10 bis 15 Jahre Garantie mit Garantiegeber außerhalb Europas. Für ein Amortisationsmodell mit Eigenkapital ist das in Ordnung. Für ein finanzielles Autarkiemodell auf 25 Jahre ist es die falsche Klasse.

Alle drei Kriterien zusammen erfüllen nur wenige Modelle am Markt. Ein Speicher mit hoher Ladeleistung muss dabei nicht zwangsläufig teurer sein – er ist nur seltener.

„Der Anbieter sagt, sein Speicher reicht völlig“

Vielleicht. Lass dir die drei Zahlen zeigen: Ladeleistung in Kilowatt, Garantiejahre mit Sitz des Garantiegebers, Backup-Verhalten bei Netzausfall. Wer sie nicht nennen kann oder will, verkauft dir einen Speicher, den er nicht gerechnet hat. Und frag noch eins: Muss ich diesen Speicher nehmen, oder kann ich wählen? Ein Anbieter mit nur einem Speicher hat ein Sortiment – keine Empfehlung.

Was du jetzt tun kannst

Nimm das Datenblatt aus deinem Angebot und rechne: Kapazität geteilt durch Ladeleistung. Wenn mehr als anderthalb Stunden herauskommen, weißt du, warum die Rate im Winter nicht aufgehen würde. Im Check zeigen wir dir, welche Speicher bei deinem Verbrauch und deinem Dach alle drei Kriterien erfüllen – Beratung online, technische Planung bei dir zuhause.

Drei Zahlen statt 500 Datenblätter

Welche Speicher bei dir alle drei Kriterien erfüllen, zeigen wir dir in zehn Minuten.

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